Dieses Schreiben des Präsidiums haben wir am 24. August 2009 erhalten.
Auch in diesem Schreiben sind derart viele Unwahrheiten enthalten, dass wie sie nicht unwidersprochen lassen können.

 

Anmerkungen der Freunde, Mitarbeiter und Experten der Hochgebirgsschule

Ergeht an
Freunde der Hochgebirgsschule


Wien, 24. August 2009

Naturfreunde Hochgebirgsschule am Mooserboden,
Hintergründe und Entscheidungen


Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrte Freunde der Hochgebirgsschulel

Mittels Email oder Brief haben Sie in den letzten Wochen Ihr Interesse am Weiterbestand der vereinsinternen Hochgebirgsschule der Naturfreunde Bundesorganisation am Mooserboden bekundet. Wir haben darüber in den vergangenen Wochen mit Vertreterinnen der "Freunde der Hochgebirgsschule" konstruktive Gespräche geführt. Heute möchten wir Sie über die endgültige Entscheidung, sowie über deren Hintergründe umfassend informieren und ersuchen Sie, das Ergebnis zur Kenntnis zu nehmen.

Die Naturfreunde-Hochgebirgsschule am Mooserboden wurde im Jahr 1963 von Prof. Fritz Moravec gegründet und von diesem mit einem neuartigen pädagogischen und international anerkannten Konzept des Kinderbergsteigens und der Kinderseilschaft bis zum Jahr 1991 höchst erfolgreich geführt.

Die Vergangenheit, das Heute und die Zukunft der Hochgebirgsschule haben die Gremien der Bundesorganisation in den letzten Jahren intensiv beschäftigt. Am 26.06.2009 haben schließlich die Funktionärinnen des Präsidiums in voller Übereinstimmung mit den neun Landesorganisationen, nach Abwägung aller Argumente und auch unter Berücksichtigung vieler emotionaler Bindungen zur Hochgebirgsschule, einhellig beschlossen, den Betrieb der Hochgebirgsschule am Mooserboden mit Ende der Saison 2009 einzustellen und die Baulichkeiten zum Abtrag und zur Rekultivierung der Liegenschaft freizugeben. Untenstehend erläutern wir im Detail dann jene Gründe, die diese Entscheidung unumgänglich machten.

Uns ist bekannt geworden, dass nicht alle Landesorganisationen für die ersatzlose Schließung der Hochgebirgsschule waren.

Unmittelbar danach wurde uns bekannt, dass sich eine Initiative zur "Rettung der Hochgebirgsschule" gegründet hat, die unter der Leitung von zwei Nichtmitgliedern der Naturfreunde agiert. Unsere Vereinsführung zeigte sich trotzdem dialogbereit und so kam es am 13. August 2009 in Wien zu einem Gespräch, an dem von Seiten der Naturfreunde die wichtigsten Vertreter des Präsidiums teilnahmen.

Muss ja furchtbar schlimm sein, dass Nichtmitglieder den Unsinn der Entscheidung erkennen.
Eines dieser "Nichtmitglieder" war zweimal längere Zeit Mitglied und hat seine
Mitgliedschaft beide Male wegen nicht akzeptabler Zustände im Verein beendet.
Im Übrigen: Bei uns engagieren sich auch viele (auch prominente!) Mitglieder und Funktionäre der Naturfreunde!

Die Initiatoren, vertreten durch ihre Proponenten, überreichten uns ein fragmentarisches Konzept über die zukünftige Führung der Hochgebirgsschule in einer selbstverwalteten Gruppe,

Da nicht bekannt war, in welche Richtung die Interessen des Präsidiums für den Fall einer Weiterführung gehen,
hat dieses Kurzkonzept nur die wichtigen Themen und Lösungsansätze markiert.
Unsere erste Option war jedenfalls, die Hochgebirgsschule im Bereich der Naturfreunde zu erhalten.

Das Team der Freunde der Hochgebirgsschule wollte aber keinesfalls
den bekannten persönlichen Querelen, An- und Untergriffen irgendeine neue Nahrung geben.

mit einem namhaften Startkapital der Naturfreunde,

von einer Forderung nach einem (schon gar nicht "namhaften") Startkapital war nicht die Rede.
Es wurde die Frage gestellt, ob ein Startkapital für die neue Organisation grundsätzlich denkbar ist,
zumal es ja in der Bilanz der Hochgebirgsschule eine Rücklage von über 200.000 Euro gibt.
Dazu erklärte der Finanzreferent Dr. Leo Gruber, dass diese Rücklage von Fritz Moravec
mit Betriebsmitteln der Naturfreunde (Berghaus Moserboden und Hochgebirgsschule)
für die Naturfreunde erwirtschaftet worden sein, daher den Naturfreunden gehöre
und der Hochgebirgsschule nicht zur Vefügung stehe.
Diese Rücklage scheine nur aus nicht bekannten Gründen in der Bilanz der Hochgebirgsschule auf.
So viel "Bilanzwahrheit " wäre in einem privatwirtschaftlichen Betrieb ein "Fressen" für den Staatsanwalt!

weitreichenden Haftungen durch unseren Verein

Davon war nie die Rede.
Präsident Dr. Frais vertrat die Ansicht,
dass bei einem Verbleib der Hochgebirgsschule im Bereich der Naturfreunde
Haftungen für den Verein entstehen könnten,
die er nicht bereit sei zu akzeptieren.

und weiteren nicht erfüllbaren Forderungen.

Es wurden Fragen gestellt, aber keine Forderungen erhoben.

Und es sollte auch der Name Fritz Moravec weiter verwendet und vermarktet werden dürfen.

Der Name von Fritz Moravec kommt in dem Konzept überhaupt nicht vor -
außer als Mitglied eines renommierten Alpinen Vereines (ÖAK)
und als Urheber seines pädagogischen Konzepts,
das viele von uns bei und von ihm gelernt haben
und das wir pflegen und weiterentwickeln wollen.
Jedenfalls sind wir mit den Nachkommen von Fritz Moravec in gutem persönlichem Kontakt und wissen, was zu tun ist.

Diese Konzept wurde von unserer Vereinsführung abgelehnt und ein nachhaltiges Bewirtschaftungskonzept auf der Basis einer gänzlichen "Privatisierung" eingefordert.

Das neuerlich vorgelegte Konzept unterschied sich allerdings nur geringfügig von dem bereits diskutierten,

Von den Unterschieden der Konzepte überzeugen Sie sich bitte selbst: Kurzfassung, ausführliche Fassung

vor allem enthält es keine realistischen Vorschläge für die von uns geforderte Nachhaltigkeit einer Bergsteigerschule,

Mit der Nachhaltigkeit einer Demolierung kann ein Konzept für die Weiterführung natürlich nicht mithalten.

sondern geht lediglich von nicht konkret nachvollziehbaren Annahmen aus.

Wenn das Präsidium unsere Angaben nicht nachvollziehen kann, können wir ihm auch nicht mehr helfen.
Jedenfalls könnten wir für das nächste Jahr mit neuen "Kundenkreisen" die Auslastung auf über 75% steigern -
im "klassischen Geschäftsfeld" Bergsteigen, mit allen Chancen, das weiterhin so und besser zu halten!
Überzeugen Sie sich bitte selbst: Kurzfassung, ausführliche Fassung

Inzwischen hat sich auch die Familie Moravec entschieden dagegen ausgesprochen, dass der Name "Fritz Moravec Hochgebirgsschule" von Dritten weitergeführt wird. Dies deshalb weil Prof. Moravec in der Naturfreunde Bewegung verankert war und die Schule im Rahmen unseres Vereins aufgebaut hat.

Wie die Familie Moravec dazu steht, wissen wir aus gutem persönlichem Kontakt.
Jedenfalls ein Nachkomme hat seine Mitgliedschaft bei den Naturfreunden bereits beendet.

Im Folgenden wollen wir die Gründe, die zur Schließung der Hochgebirgsschule führten im Detail darlegen:

Der Standort
Als Standort der Hochgebirgsschule dienen drei Arbeitsbaracken, die im Jahr 1948 im Zuge des Baus für das Speicherkraftwerk Kaprun errichtet wurden. Nach Abschluss der Bauarbeiten wurden die Objekte den Naturfreunden von den Tauernkraftwerken zur Verfügung gestellt.

Die Hochblüte in den 1970er und 1980er Jahren
Die Hochgebirgsschule erfuhr durch die internationale Reputation von Prof. Fritz Moravec und seiner besonderen fachlichen Kompetenz im Bereich "Kinderbergsteigen und Kinderseilschaft" ihre Hochblüte.

Die Auslastung der letzten Jahre
In der Zeit nach Fritz Moravec, ab dem Jahr 1992, sind die Teilnehmerzahlen trotz vielfältiger Werbemaßnahmen kontinuierlich zurückgegangen. Naturfreunde Mitglieder, für die wir über viele Jahre und mit großen Mühen die Hochgebirgsschule erhalten haben, blieben und bleiben mit wenigen dankenswerten Ausnahmen immer mehr aus.

Wie wenig und wie falsch die Bundesleitung als Eigentümer Werbung betrieben hat,
weiß jedes Naturfreunde-Mitglied selbst.
Es ist auch nicht purer Zufall, dass der Leiter der Hochgebirgsschule, Charly Ölmüller,
auf eigene Kosten die Website www.hochgebirgsschule.at angelegt hat,
über die mehr Kursteilnehmer an die Hochgebirgsschule kommen als über die NF-Bundesleitung.

Die Nachfrage nach Hochgebirgsschulen ist insgesamt zurückgegangen, auch der ÖAV hat sein Ausbildungszentrum Rudolfshülle vor einigen Jahren aufgegeben.

Die Rudolfshütte ist ein absolut ungeeigneter Vergleich -
keiner der Gründe, die zum Verkauf (und Weiterbetrieb durch einen Geschäftsmann)
geführt haben, passt auf die Hochgebirgsschule.

Die alpine Eignung des Standortes
Seit Jahren sind wir mit einem massiven Gletscherrückgang und mit Permafrostproblemen konfrontiert. Das führte auch dazu, dass die Sportakademien (vormals Bundesanstalten für Leibeserziehung) ihre Kurstätigkeiten auf der Hochgebirgsschule eingestellt haben. Auch vereinsinterne Ausbildungen der Landes-Alpinreferate finden nur mehr sporadisch statt. Der klassische Alpinismus unterliegt einem gravierenden Struktur-und Wertewandel und davon ist leider auch die Hochgebirgsschule betroffen.

Wenn es am Moserboden ein bemerkenswerten Permafrost-Problem gäbe,
hätten zuerst die Kraftwerke ein Problem mit Felsstürzen in den Stausee und auf die Straße
und mit der Abstützung der Staumauern - davon haben wir noch nichts gehört.
Da wollen uns Leute, die schon ewig lange nicht (oder auch noch nie) oben waren, erklären, wir es dort aussieht!
Der "klassische Alpinismus" mutiert zum Sportklettern in der Halle? - Nein Danke - nicht mit uns!

Die wirtschaftliche Situation
Die Hochgebirgsschule wurde von Charly Ölmüller in den Jahren seit 1993 mit viel Engagement geführt. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass seit dem Jahr 1999 aus dem normalen Geschäftsbetrieb inklusive der durchgeführten Reparaturen ein Verlust von insgesamt 108.000,-Euro erwirtschaftet wurde.

Die Instandsetzungsarbeiten sind so gut wie abgeschlossen -
und noch immer gibt es laut Bilanz 200.000 Euro Rücklage!

Die Bausubstanz
Laufende Reparaturmaßnahmen lassen die Hochgebirgsschule heute in einem durchaus ansprechenden und einladenden Bild erscheinen. Die Kernsubstanz der Objekte bedarf allerdings einer Totalerneuerung.

Keiner von denen, die da jetzt ihre "Expertisen" abgeben, kennt das "Innenleben" der Häuser!
Das kennen wir, die wir in den vergangenen Jahren viele Ein- und Umbauten vorgnommen haben, viel besser -
nämlich wirklich gut!

Die Entscheidung
In schwierigen Verhandlungen mit dem Verbund-Austrian Hydro Power, unserem langjährigen Partner am Mooserboden, ist es gelungen eine für unseren Verein kostensparende Variante zu realisieren. Wir überantworten dem Verbund das Grundstück mit den Baulichkeiten, dieser trägt alle Objekte ab und renaturiert das Grundstück. Die Naturfreunde ersparen sich dadurch € 150.000,-für Abbruchkosten. Und diese Möglichkeit besteht nur jetzt und nicht in ein oder zwei Jahren. Über unseren Wunsch wurde den Naturfreunden im Vertrag sogar ein Vorkaufsrecht eingeräumt.

Mangels anderer, überzeugender Argumente müssen wir davon ausgehen, dass sich die Bundesleitung lediglich
einen problemlosen Zugang zu den 200.000 Euro Rücklagen verschaffen will,
um sie dann in Kletterhallen, Sommerrodelbahnen und Ähnlichem zu verpulvern.
Und wenn das Geld verbraucht ist, sucht sich das Präsidium das nächste Opfer?
Wer hat noch Rücklagen?

Das Lebenswerk von Fritz Moravec wird erhalten
Die Naturfreunde Bundesorganisation wird auf Wunsch der Familie Moravec alle auf der Hochgebirgsschule vorhandenen Erinnerungsstücke dem Bezirksmuseum in Wien-Hietzing, dem Wohnbezirk der Familie Moravec, zur Verfügung stellen.
Die Vertreter der Bundesorganisation haben weiters vereinbart ein Buch über das Lebenswerk von Prof. Fritz Moravec herauszugeben, in dem das großartige alpinpädagogische Konzept des Kinderbergsteigens und der Kinderseilschaft und die faszinierende Persönlichkeit unseres Naturfreundes Fritz Moravec gewürdigt werden sollen.

Und zu Allerheiligen drei Rote Nelken auf's Grab...
Was soll dabei herauskommen,
wenn sie zuerst das Lebenswerk des großen Bergprofessors demolieren
und dann ein Buch über ihn herausgeben wollen?
Wir empfinden das als Heuchelei.

Abschließend wird festgestellt, dass die Naturfreunde Bundesorganisation in einer Gesamtbeurteilung aller Faktoren für eine Hochgebirgsschule am Standort Mooserboden kein nachhaltiges, alpintechnisches, wirtschaftliches und vereinspolitisch vertretbares Zukunftsszenario sieht.

Es ist für uns die Frage:
Haben sie ohne eigenes Wissen oder gegen besseres Wissen entschieden?
Es wäre nur zu verstehen,
wenn die Naturfreunde mit Bergsteigen auf echten Bergen
nichts mehr zu tun haben wollten.
Oder sind es ganz andere Gründe, die ausschlaggebend für die Abriss-Entscheidung sind!

Die Naturfreunde Österreich sind ihren 150.000 Mitgliedern gegenüber verpflichtet mit deren Mitgliedsbeiträgen sparsam, wirtschaftlich korrekt und zu deren Nutzen umzugehen. Die geringen Teilnehmerzahlen der Hochgebirgsschule und die Abdeckung jährlicher Verluste sind kaufmännisch und vereinspolitisch nicht mehr vertretbar. Die Vereinsgremien haben vielmehr die Verpflichtung in zukunftsträchtige Ausbildungsstätten zu investieren, weiters in Kletterhallen, in das europaweit einzigartige Wildwasserzentrum oder in die ökologische Erneuerung ihrer Schutzhütten.

Die Antwort darauf geben die Austritte der NF-Mitglieder
und die Defizite anderer NF-Betriebe und Projekte.
Gehen Naturfreunde noch in die Berge oder haben diejenigen Recht, die meinen,
für Bergsteiger wären die Naturfreunde der falsche Verein?

 

Die Freunde, Mitarbeiter und Experten
der Fritz-Moravec-Hochgebirgschule Glockner-Kaprun

 

Mit freundlichen Grüßen

      
Dr. Karl Frais                 Prof. Sepp Friedhuber                 Reinhard Dayer
Bundesvorsitzender       Bundesbergsteigerreferent       Bundesgeschäftsführer